Is it Fact or Hype? Ein Kommentar

In meinem Feed, und bestimmt auch in vielen anderen, versprechen gerade Profile im Stundenrhythmus, dass KI dein Instagram übernimmt oder deine Reels schneidet, während du beim Sport bist. Was davon stimmt, was nicht — und warum ein Konzert- oder Event-Recap weitgehend von Hand entstehen muss.

Mein Feed ist gerade voll mit dem Format „Is it Fact or Hype?“ — darin testet jemand einen neuen KI-Skill, der zu schön klingt, um wahr zu sein, und bewertet nach einem Test, ob das versprochene Ziel wirklich erreicht werden kann oder ob es sich um heiße Luft handelt. Ich schaue mir diese Tests gerne an, und eine Antwort gibt es darin immer. Nur fällt sie oft genug auf Hype.

Ich bin selbst Fotograf und Solo-Content-Creator und kenne daher die diversen Arbeitsschritte, um von einer Idee zum finalen Produkt zu gelangen. Deswegen nehme ich dieses Thema vielleicht ein bisschen persönlicher. Was jetzt kommt, ist entsprechend meine eigene Meinung und keine Produktaussage.

Woher der Hype überhaupt kommt

Interessanter als der Test ist für mich das Video, das getestet wird. Diese ursprünglichen Videos enden fast alle gleich: „Schreib SKILL in die Kommentare, dann schicke ich dir den Link.“

Hier geht eine einfache Rechnung auf: Kommentare und Weiterleitungen per Direktnachricht sind starke Signale für Reichweite, das Schlagwort liefert also genau das, was das Video braucht, um einen Hype zu bekommen. Meta führt Beiträge, die ausdrücklich zu Interaktion auffordern, selbst als Engagement-Bait und verteilt sie schwächer, während die Automatisierung dahinter erlaubt ist. Das eine ist unerwünscht, das andere ein offizielles Feature — beides steckt im selben Handgriff.

Dabei fällt mir auf, dass das Produkt hinter dem Versprechen für manche gar keine Rolle mehr spielt. Es geht um den Reichweiten-Effekt, nicht darum, ob die Lösung am Ende trägt oder ob man damit wirklich jemandem hilft.

Das ist aber ausdrücklich nicht alles über einen Kamm geschoren. Es gibt Leute, die sich echte Arbeit machen: vollständige Guides, eigene Prompts, Tutorials, in denen viel Mühe steckt. Die nutzen dieselbe Mechanik, liefern aber auch etwas dafür, und die will ich nicht diskreditieren. Mich stört die andere Hälfte — die, die blind etwas verspricht und dir einen Skill zuschickt, wenn du das richtige Wort kommentierst und folgst.

Dazu kommt ein Nebeneffekt, den ich fast schlimmer finde: Unter solchen Videos steht keine Diskussion mehr. Die Kommentarspalte besteht aus einem einzigen Wort, hundertfach. Eine ehrliche Rückmeldung, eine kritische Nachfrage, ein „bei mir hat das nicht funktioniert“ — das geht darin unter, weil niemand kommentiert, um etwas zu sagen, sondern nur, um den Link zum nächsten Heiligen Gral zu bekommen. Die Bewertung, die normalerweise unter einem Versprechen entsteht, fällt einfach weg. Aber es ist eben nicht alles Gold, was glänzt.

Dazu zwei Versprechen, die mir in den letzten Wochen am häufigsten begegnet sind.

„Claude übernimmt jetzt dein Instagram“

Zuerst die Sachlage: Weder Anthropic noch Meta bieten eine eigene Instagram-Anbindung für normale Posts an. Was es gibt, sind Dienste, die ihre eigene Instagram-Verbindung halten und sie als Toolbox an die KI weiterreichen. Der bekannteste technische Anbieter bewirbt das inzwischen als fertiges Plugin für Claude, mit Zugriff auf Veröffentlichen, Statistiken, Kommentare und Nachrichten.

Deutlich aggressiver unterwegs ist derzeit ootto.ai. Dort heißt es, der Dienst übernehme 95 Prozent der Arbeit und man selbst verbringe „10 Minuten am Tag mit Freigeben“; die Tarife reichen von 5 Dollar pro Woche bis 499 Dollar im Monat, inklusive automatisch erzeugter Reels, Stimm-Klon, Wettbewerbs-Recherche und automatischer Antworten auf Kommentare samt Link per Direktnachricht. Dazu gibt es 30 kostenlose Claude-Skills, darunter einen für Wettbewerbsanalyse und einen „Comment Responder“ — also genau die Mechanik aus dem Abschnitt davor, diesmal als Produkt.

Fair bleiben, wo Fairness angebracht ist: Die Anmeldung läuft dort laut eigener Aussage über die Login-Seite von Instagram, und das Passwort sehe man nie. Was ich auf der Seite nicht finde, ist ein Unternehmen, ein Sitz oder ein Ansprechpartner — und ich finde auch keine Erklärung, auf welchem Weg die Daten über fremde Profile eigentlich erhoben werden. Ich will niemandem etwas unterstellen. Nur fällt mir auf, dass der Anbieter hinter so einer Lösung oft weder klar erkennbar noch offen kommuniziert ist.

Bei 5 Dollar pro Woche und einem Versprechen in dieser Größe würde ich wissen wollen, mit wem ich es zu tun habe. Wer seine Kanäle — und damit ein Stück seines Unternehmens — an einen Dienst übergibt, sollte vorher wenigstens grob geprüft haben, ob dahinter etwas Belastbares steht.

Wir bieten im Grunde dasselbe an …

… maebe hat einen KI-Connector (MCP), über den du Claude oder ChatGPT mit deinem maebe-Team verbindest und von dort aus an deinen Kanälen arbeitest. Wichtig ist dabei die Verkettung: Du verbindest die KI mit maebe, nicht mit Instagram. Claude hat keinen direkten Zugriff auf deine Plattformen; maebe ist über dein Social-Connect-Paket mit ihnen verbunden. Ein direkter Austausch zwischen Claude und Instagram ist auf diesem Weg also gar nicht möglich — es läuft immer über unsere Plattform, die Rechte regelt, Grenzen sicherstellt und erst dadurch bestimmte Funktionen überhaupt ermöglicht.

Zur vollen Transparenz gehört auch der Teil darunter: Die Verbindung zu den Plattformen legen wir aus Sicherheitsgründen gar nicht bei uns ab. Um schneller am Produkt zu arbeiten, die Sicherheit hochzuhalten und uns auf unseren eigenen Kern zu konzentrieren, nutzen wir dafür eine Unified Social Media API von Postproxy mit Sitz in Berlin. Das ist genau der Leistungsteil, der im Social-Connect-Paket steckt: maebe selbst ist unsere eigene Entwicklung — zugekauft ist allein der Weg, über den Instagram, TikTok und Co. angebunden werden. Und dass dieser Teil der Kette in der EU liegt, ist mir wichtig.

Der Weg selbst ist also nicht das Problem, und ich würde niemandem vorwerfen, ihn zu gehen. Der Unterschied liegt darin, was versprochen wird und wie es ausgeführt wird. Vieles, was gerade als All-in-One-Lösung auftritt, lässt genau das offen. Man soll wohl einfach vertrauen — alles nur eine Engagement-Bait-Nachricht entfernt.

Wo es für dein Konto ernst wird

Diese Frage ist keine Formalie. Instagrams Nutzungsbedingungen verbieten das automatisierte Sammeln von Informationen ohne ausdrückliche Erlaubnis, und zwar ausdrücklich auch dann, wenn es aus einem eingeloggten Konto heraus passiert. Meta hat dafür eine eigene Hilfeseite, warum Konten wegen Datensammeln eingeschränkt werden.

Wer also einen Skill laufen lässt, der „mal eben die Konkurrenz analysiert“, tut das unter Umständen mit dem Konto, an dem die Reichweite von Jahren hängt — und im Zweifel mit dem Konto eines Kunden.

Wir sehen uns als seriösen Partner, und Transparenz ist mir dabei wichtiger als ein größeres Versprechen. Wir suchen für jede Funktion den Weg, der offiziell vorgesehen ist — und wenn es den nicht gibt, lassen wir die Funktion weg. Deshalb analysieren wir keine fremden Profile über die Konten unserer Kunden. Die Daten für den Mitbewerber-Vergleich kommen über einen separaten Dienstleister mit Sitz in der EU, der mit den verbundenen Konten nichts zu tun hat. Erhoben wird dabei ausschließlich, was ohnehin öffentlich ist: Private Profile können wir nicht auswerten, und wir würden es auch nicht tun. Und was offiziell nicht geht, versprechen wir nicht; welche Grenzen das beim automatischen Veröffentlichen konkret sind, haben wir aufgeschrieben, statt sie zu verschweigen.

Wenn du im Team arbeitest, kommen zu dieser Frage noch ein paar andere dazu — Rechte, Nachvollziehbarkeit, wer im Zweifel verantwortlich ist. Die haben wir in einem eigenen Artikel gesammelt.

„Lass die KI dein Reel schneiden“

Das kann in einem gewissen Umfang funktionieren. Was man daraus aber nicht ableiten sollte, ist, dass damit ein Cutter ersetzt wäre und man ab jetzt jemanden hat, der den Schnitt übernimmt. Es bleiben Herausforderungen, die auch eine KI nicht löst — und je höher der eigene Anspruch, desto früher merkt man das.

Fangen wir mit dem an, was gut funktioniert. Transkribieren, Untertitel setzen, Pausen und Versprecher herausnehmen, eine lange Aufnahme in Vorschläge zerlegen, Material grob vorsortieren. Das sind Aufgaben mit einem messbaren Richtig und Falsch — Hell und Dunkel, Scharf und Unscharf —, und darin ist KI inzwischen verlässlich. Ein Reel aus dem Studio, in dem eine Person in die Kamera spricht, oder ein Podcast-Ausschnitt kommen damit erstaunlich weit: Der Schnitt folgt der Sprache, und die Sprache ist das Gerüst.

Schneller am Limit als gedacht

Ein Recap von einem Konzert oder einem Event ist nach heutigem Stand nichts, was eine KI mir sauber schneidet — und zwar nicht, weil die Technik zu langsam wäre, sondern weil fast jede Entscheidung darin eine visuelle Bewertung ist.

Der Unterschied zum Studio-Reel ist grundlegend: Dort ist Sprache das Gerüst, und Sprache lässt sich transkribieren. Bei einem Konzert gibt es kaum etwas zu transkribieren. Was es gibt, ist Musik, und die wäre das nächstliegende Gerüst — nur ist ein Schnitt auf den Beat nicht automatisch die Lösung. Den Takt zu finden ist das Einfache daran, eine KI findet ihn zuverlässig. Nur ist der Takt nicht die Antwort auf die Frage, wo geschnitten wird. Vor einem Drop will man oft weniger Schnitte, nicht mehr, weil die Stille davor die Wirkung macht.

Es beginnt ohnehin früher, bei der Auswahl. Von vier ähnlichen Aufnahmen ist eine die richtige, und zwar weil in ihr etwas Emotionales passiert — ein Blick, eine Reaktion, ein Moment, der in den anderen drei fehlt. Genau daran scheitert KI. Lemonlight hat dazu einen interessanten Artikel geschrieben, der die Stelle gut beschreibt: Bewertet wird Material über Dauer, Helligkeit und Lautstärke — und das ist nicht das, was eine Szene trägt.

Dann die Dramaturgie, und die steht in keinem Material drin. Welche Aufnahme sie trägt, hängt davon ab, wie und welche Aufnahmen ausgewählt und aneinandergereiht werden. Dieselben zwanzig Clips ergeben zwei völlig verschiedene Videos.

Und schließlich die kleinen Entscheidungen, aus denen so ein Video eigentlich besteht. Ist der Pyro-Moment ein Übergang oder ein eigener Schlag? Gehe ich hier in Slow Motion, weil ich die Gesichter sehen will, oder zerstört das den Puls? Ist diese Speed Ramp ein Übergang oder nur eine Bewegung, die die Musik gerade mitträgt?

Damit ich nicht zu weit gehe: Bei einer gezielten Planung und einem präzisen Briefing ist mehr möglich, als man denkt. Wenn ich vorher weiß, dass ich an einer bestimmten Stelle eine Speed Ramp brauche, und das Material entsprechend drehe, lässt sich das auch beschreiben. Nur arbeitet man gerade bei einem Event-Recap meistens nicht so, sondern mit dem, was man in zwei Stunden einsammeln konnte. Und selbst mit einem Plan erfüllt eine KI davon nur einen Teil.

Dazu kommt etwas, das in den Versprechen nie auftaucht: das Nacharbeiten, wenn es dann doch nicht den Vorstellungen entspricht. Wenn eine KI angefangen hat zu arbeiten, stecke ich selbst nicht mehr im Projekt. Ich muss mich erst wieder einarbeiten — in Entscheidungen, die ich nicht getroffen habe — bevor ich überhaupt beurteilen kann, was zu korrigieren ist. Projekte von jemand anderem übernehmen kennen wir alle, oder? Macht selten Spaß.

Auch das Studio-Reel ist kein einzelner Prompt

Selbst da, wo es gut funktioniert, stimmt das Bild aus den Videos nicht ganz. „Ein Prompt und fertig“ ist in der Praxis eine Reihe von Runden: Schnitt anfordern, Schnitt korrigieren, Motion Design dazu beschreiben, feststellen, dass es anders aussieht als gedacht, nachschärfen, noch eine Runde. Das kostet Zeit und, was seltener erwähnt wird, Konzentration. Man sitzt dann nicht am freien Tag, sondern in einer Schleife — es sei denn, man hat keinen Anspruch an das Ergebnis.

Color Grading: das Problem ist nicht die Technik

Ein Beispiel, an dem für mich am klarsten wird, worum es wirklich geht. Es gibt inzwischen Tools, die eine Farbgebung komplett übernehmen, und sie sind technisch beachtlich. Trotzdem bricht es irgendwo, und zwar meist an der Konsistenz: Zwei Aufnahmen aus derselben Situation kommen unterschiedlich zurück, weil die KI sie unterschiedlich liest.

Was man danach macht, ist aber nicht „die KI korrigieren“. Man bewertet die Farbgebung einer dritten Person. Und das ist dasselbe Problem, das man auch mit Menschen hat. Wer je einen Schnitt an eine Freelancerin, einen Angestellten oder ein Team abgegeben hat, kennt den Moment: Es ist nicht falsch, es ist nur nicht so, wie man es selbst gemacht hätte. Von einer KI zu erwarten, dass sie das trifft, ist nach heutigem Stand die größte Lücke zwischen Versprechen und Ergebnis — nicht die Rechenleistung.

Wie wir es selbst halten

Weil wir an genau dieser Stelle arbeiten, gehört die Haltung dazu. In maebe hilft KI beim Formulieren und beim Strukturieren: Captions im Ton deiner Marke, Vorschläge aus deinen eigenen, bewerteten Bildern, eine Kampagne grob planen. Sie erfindet keine Inhalte, sie entscheidet nicht und sie veröffentlicht nichts. Am Ende steht immer jemand, der zustimmt — und bei Kundenarbeit ohnehin eine Freigabe. Was maebe darüber hinaus kann, steht in der Funktionsübersicht.

Das ist keine Vorsicht aus Prinzip, sondern die Konsequenz aus allem oben: Die Teile, die sich messen lassen, kann man abgeben. Die Teile, die man bewerten muss, nicht.

Fakt oder Hype

Hype ist das Versprechen in seiner ganzen Form: dass ein Skill den Job übernimmt und der Tag frei wird. Das löst heute kein Produkt ein, und die Videos, die es zeigen, zeigen fast immer den einfachsten Fall.

Fakt sind die Teile. KI ist eine echte Stütze, wenn es darum geht, produktiver zu werden — bei mir jeden Tag, und das Tempo der Entwicklung ist beeindruckend. Es kommen auch laufend Tools dazu, die wirklich gut sind.

Nur lohnt es, bei jedem neuen Versprechen die gleiche Frage zu stellen: Welcher Teil davon ist messbar, und welcher ist Geschmack? Der messbare Teil ist meistens da. Der andere wartet noch.

Dieser Artikel ist mit Unterstützung von KI entstanden. Recherche, Aussagen und Haltung hat Kristof geprüft und verantwortet.

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